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Fokus dieses Newsletters sind Störungen im Team, im Sinne negativer Aspekte in der Teamzusammenarbeit und in der Teamperformanz oder in der Führung.
Im Folgenden stelle ich sechs Punkte vor, die Dir helfen, solche Störungen zu beheben.

Die ersten drei Punkte zielen darauf ab, ein Team aus dem negativen Bereich der „Teamqualität“ auf ein neutrales, wieder funktionierendes Level zu bringen. Quasi als „Notfallmaßnahmen“.
Punkt 1: Verstehe, was wirklich passiert und wer wirklich involviert ist.
Nutze dazu die systematische Technik der „Wahrnehmungsleiter“ (in einer vereinfachten Form mit drei Fragen).

Beantworte folgende 3 Fragen nacheinander und in Ruhe, ohne im Stress der Situation bspw. direkt bei Frage 3, der Bewertung, zu laden:
1. Was nimmst Du zur Störung wahr? Sichtbares, unsichtbares, ausgesprochenes, nonverbales, Schweigen usw. Welche Beteiligte? Welche Rollen?
2. Welche möglichen Erklärungen gibt es für Deine Beobachtungen nun? Beachte den Plural – es geht um unterschiedliche Perspektiven.
3. Welche unterschiedlichen Bewertungen gibt es dafür? Auch hier Plural: Unterschiedliche Beteiligte können die Situation unterschiedlich bewerten. Vielleicht hast Du in Dir sogar unterschiedliche Bewertungen?
Diese drei Fragen ermöglichen es Dir, die relevanten Perspektiven und Ebenen der Störung besser zu verstehen.
Lehne Dich jetzt zurück und lasse das Ergebnis auf Dich wirken. Wahrscheinlich findest Du jetzt schon Deine Lösung, um die Störung aufzulösen. Das ist zumindest fast immer so …
Mehr Details zu diesem Werkzeug im Blog.
Punkt 2: Kläre, was Du statt der Störung wirklich willst. Was ist Dein „stattdessen“?
Auch hier gebe ich Dir ein einfaches Vorgehen in Form einer zweispaltigen Tabelle, mit dem Du Dir erarbeiten kannst, was Du der Störung entgegensetzen möchtest (Denken, Verhaltensmuster etc.).

Befülle zuerst Spalte 2, dann Spalte 1, dann falte Spalte 2 weg und arbeite nur mit Spalte 1 weiter. Du konzentrierst Dich dann in Deinem Denken auf das positiv formulierte „Stattdessen“ und nicht auf die negativen Aspekte.
Positiv Formuliertes lässt sich – psychologisch nachgewiesen – viel leichter umsetzen als negativ Formuliertes.
Auch hier – mehr Details zum Vorgehen im Blog.
Punkt 3: Kläre, was Dein Beitrag als Führungskraft an und in der Störung ist!
Du als Führungskraft bist unweigerlich Teil jeder Störung. Du schwingst mit, Du verstärkst oder schwächst ab. Und vielleicht macht die Störung Dir auch Wut, Angst oder Stress.
Ich gebe Dir hier mehrere Denk-Werkzeuge (bspw. die „gedachte Glasscheibe“, ein Störungstagebuch und eigene Ressourcenarbeit) an die Hand, mit deren Hilfe Du Dir bewusst werden kannst, wie viel und was konkret Du selbst zur Störung beiträgst. Ausführliche Beschreibungen dazu, solltest Du die Werkzeuge bislang nicht kennen, im Blog.
Wenn Du diese Reflektionsarbeit hinter Dir hast, dann weißt Du auch, was Du beiträgst und somit, was Du selbst an Dir ändern kannst (Verhalten, Prozess, Kommunikation, innere Ruhe und Stabilität etc.).
Die weiteren drei Punkte des 6-Punkte-Notfallprogramms zeigen Dir, welche Maßnahmen und Werkzeuge Du einsetzen kannst, um ein Team von der „Störungsneutralen“ in einen positiven Bereich zu bringen. Wie Du also sogenannte hochperformante Teams schaffen kannst.
Denkanstoß 4: Schaffe echtes Vertrauen im Team!
Es geht um Vertrauen auf der Beziehungsebene.
Um diese zu stärken, gestalte konkret folgende vier Aspekte in der Zusammenarbeit, der Interaktion und der Kommunikation im Team, um Vertrauen zu stärken:
- Atmosphäre: Erlaube Menschlichkeit, Offenheit. Erlaube, dass Stärken und Schwächen gezeigt werden, zeige auch Deine eigenen Schwächen und lebe Wertschätzung, Ehrlichkeit, Offenheit und Respekt als Werte vor und fordere diese ein.
- Organisatorischer und prozessualer Rahmen: Schaffe für das Team Klarheit über externe Vorgaben an Euer Team, worüber Du entscheiden willst und über die Freiräume im Team. Gestalte funktionierende Prozesse zur Abstimmung, Kommunikation und Entscheidungsfindung. Stelle Konsistenz und Nachvollziehbarkeit in Kommunikation und Entscheidungen sicher.
- Verhaltensveränderungen: Sehe und unterbinde Intrigen, Politik und Manipulation. Setze ein klares Zielbild (bspw. als „Circle of Safety“) dagegen.
- Ziele resp. Anreizsysteme: Stelle sicher, dass Ziele verstanden und akzeptiert sind und v. a., dass Anreizsysteme fair und transparent sind und nicht zur gegenseitigen Manipulation genutzt werden können.
Auch hier: Viel mehr Details und Gedanken zum Thema Vertrauen im Blog.
Punkt 5: Lernt, gut zu kommunizieren! Lernt, sachbezogen, leidenschaftlich und hart sowie konstruktiv zu diskutieren!
Leidenschaftlich zu diskutieren – auf der Basis von Vertrauen – ist der Schlüssel, um die Stärken aller im Team aktivieren zu können, als Team optimale Lösungen zu finden und Entscheidungen zu treffen und Energie freizusetzen.
Schaffe mit folgenden vier Schritten Rahmen und Einstellung, um im Team einen effizienten, fokussierten, sachlichen und leidenschaftlichen Austausch zu gestalten und somit bessere Entscheidungen zu ermöglichen und mehr Energie und Ownership im Team freizusetzen:
- Schritt 1: Klarheit zur Vision im Disput, im Diskutieren: Stelle für das Team immer wieder klar, welche Vision in der Kommunikation Du verfolgst: Nämlich, dass zum Erfolg des Teams Herausforderungen und Probleme gelöst werden müssen. Und stelle klar, dass dies Aufgabe des gesamten Teams ist. Leidenschaftlich, konstruktiv und sachorientiert diskutieren, dann Entscheidung, dann wird diese Entscheidung umgesetzt.
- Schritt 2: Zeit und funktionierender Rahmen für das Streiten: Schaffe einen praktikablen Prozess, in dem leidenschaftlich diskutiert werden kann und gute Entscheidungen gut, fokussiert und effizient getroffen werden. Mache diesen Prozess für alle Beteiligten transparent. Es geht darum, Dir und dem Team angemessen Zeit für die Kommunikation zu geben, ohne den Fokus auf die zu erledigende Arbeit zu verlieren. Es geht auch darum, Häufigkeit und die Form (formell, informell) zu klären.
- Schritt 3: Neugierige, offene, aber klare und deutliche Moderation: Moderiere dann die Kommunikation im Sinne der beschriebenen Vision zur Kommunikation. Stelle etwa klar, dass es um sachorientierte Diskussionen geht, darum, viele Perspektiven zu bekommen und gemeinsam abzuwägen, darum, dass die Kommunikation in diesem Raum zwar emotional werden darf, aber im wertschätzenden „Circle of Safety“ stattfindet. Ermutige Offenheit, Kreativität und Diskussionsfreude. Lebe die Vision zur Kommunikation selbst vor, beispielsweise durch offene Fragen, durch Neugier und Interesse an anderen Perspektiven.
- Schritt 4: Treffe dann Entscheidungen: Habe in dieser Moderation Mut, Deiner Rolle als Führungskraft gerecht zu werden. Binde Diskussionen wertschätzend ab und führe Entscheidungen herbei, wenn alle Perspektiven in der Kommunikation berührt wurden. Keine Entscheidungen sind meist schlimmer als falsche Entscheidungen. Fordere dann auch ein, dass das Team hinter den Entscheidungen steht – und stehe selbst konsistent und verlässlich zu diesen Entscheidungen. Oder öffne die Diskussion erneut, wenn es neue Erkenntnisse und Erfahrungen gibt oder wenn etwas nicht funktioniert.
Punkt 6: Wie habt ihr es mit der Motivation?
Es gibt unterschiedliche Schulen, z.Th. Motivation, die sich nicht stark voneinander unterscheiden (bspw. Susanne Fowler, Positive Psychologie). Der Unterschied ist die Auswahl und Aufgliederung der Treiber der Motivation, die zu stärken sind.
Mein Vorschlag:
- A: Autonomie, Gestaltungsmöglichkeiten, Wachstumschancen
- B: Bezogenheit (Beziehungen, soziales Netzwerk, erhaltene Wertschätzung)
- C: Kompetenzen, ihr Wachstum und ihre Wachstumsmöglichkeiten sowie
- D: Wirkung der Arbeit (Mattering, Purpose).
Mit diesen Dimensionen kannst Du ein Template befüllen (Download im Blog), das sogenannte Motivationsradar. Dies kannst Du aus unterschiedlichen Perspektiven machen: für Dich selbst, für das Team aus Deiner Perspektive, oder in einem Teamworkshop für das Team aus Teamperspektive.
Auf dieser Basis kannst Du dann in diesen Perspektiven die jeweils wichtigsten Maßnahmen ableiten, um Motivation in Dir und im Team zu stärken. Wähle nicht mehr als 2-3 Maßnahmen je Perspektive.
Mehr dazu und ein Template als PDF im Blog.
Außerdem
Im schon mehrfach verlinkten Blog-Beitrag findet Ihr jeweils am Ende jedes der 6 Punkte einen Abschnitt, in dem ich aufzeige, welchen externen Support (Coaching, Teamcoaching) Ihr Euch holen könnt, um Störungen zu beheben und fokussiert und effizient ein hochperformantes Team zu schaffen.
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